Sozialhilfe - nein danke ?!
| Sozialhilfe? Jugendamt? - oh je!!
Das hat doch gleich was Anrüchiges, die Vorurteile sind
schon vorpgrogrammiert! So bleibt es nicht
aus, dass ich mich - nachdem ich nun tatsächlich schon bald
15 Jahre
bei "dem Verein" tätig bin - immer wieder
rechtfertigen muss: Aus der Praxis kann ich sagen, dass an diesen Sprüchen nicht viel dran ist. Die Arbeit im Büro ist auch nicht langweilig und trocken, Beamte schlafen nicht im Büro, und "Bamtenmikado" kenne auch ich nur von den einschlägigen Witzen.. Ganz vereinfacht
ausgedrückt war ich in meinen ersten 10 Jahren dafür da, dass
die Leute, die Sozialhilfe bekommen
können, auch tatsächlich ihr Geld kriegen -und zwar in
der richtigen Höhe, die von Fall zu Fall berechnet wird,
je nach Größe der Familie, ob sie noch andere
Einkünfte hat oder nicht, wie viel Miete sie bezahlen
muss etc. Man konnte sich auf meinem Arbeitsplatz eine gute Portion Menschenkenntnis aneignen. Jeder Mensch und damit jeder "Fall" ist anders, und Einfühlungsvermögen war ebenso gefragt wie manchmal Knallhart-sein-Können, alles zu seiner Zeit und je nach Einzelfall. Neben der
Sozialhilfe war ich auch für
wirtschaftliche Jugendhilfe
zuständig. Ich sorgte dafür, dass die
Kinderheime und ähnliche Einrichtungen ihr Geld für die
Betreuung und Erziehung der einzelnen Kinder und
Jugendlichen bekamen. In
Zusammenarbeit mit den Sozialarbeitern, die auch vor Ort
mit den Eltern und Kindern zu tun haben, erfährt man
schon einiges über so manch "kaputte
Verhältnisse", auch mal Missbrauch in den Familien,
Drogen, Alkohol etc. Das
Jugendamt soll auf jeden Fall "für das Wohl des
Kindes" sorgen. Manchmal sind die Eltern nicht
fähig, eine geordnete Erziehung zu leisten - oder sie
sind mit dem Kind überfordert, beides ist möglich - in
vielen tausend Varianten. Ich schätze an meinem Beruf, dass wir so viel mit Menschen zu tun haben, und zwar wirklich an der "Basis" - es geht um deren Existenz, um ihr Leben. Ich hatte somit immer das Gefühl, etwas Sinnvolles zu machen und freute mich, wenn ich wieder eine Akte zumachen konnte, weil der- oder diejenige finanziell wieder auf eigenen Füßen stand. Mein Hobby PC hat jedoch irgendwann seine Kreise gezogen: Ich wechselte im Februar 2003 die Abteilung innerhalb des Sozialamtes. Nun zahle ich nicht mehr die Sozialhilfe aus, sondern versuche, Geld von all den Anghörigen zu fordern, die den Sozialhilfeempfängern gegenüber eigentlich vorrangig zum Unterhalt verpflichtet wären, ein anderer Blickwinkel sozusagen. Außerdem - und das war das Reizvolle für mich an dem Stellenwechsel - stieg ich in die EDV-Systembetreuung ein! Hier versuche ich nun, all meinen Kolleginnen und Kollegen zu helfen, wenn sie aus irgendeinem Grund bei der Anwendung des Programmes nicht weiter kommen, pflege Parameterdateien und bin Systembetreuerin für das Jugendhilfeprogramm. In Zeiten von Hartz IV hat sich auch in unserem Sozialamt einiges geändert, es gibt im Landkreis eine ARGE, die für die Auszahlung des Arbeitsosengeldes II zuständig ist, und viele müssen sich seitdem dorthin wenden und nicht mehr an das Sozialamt, das "nur" noch für Menschen zuständig ist, die nicht mehr als drei Stunden täglich arbeiten können oder älter als 65 sind. Dennoch behält das oben Gesagte in weiten Teilen seine Gültigkeit. Dies kann
nur ein kurzer Abriss sein, die Praxis sieht natürlich
etwas komplexer aus, wie in jedem Job... Abschließend möchte ich mit den Worten von Kristiane Allert-Wybranietz zum Thema Beruf noch Folgendes anmerken:
"Viele sind beruflich
erfolgreich So möchte ich nicht enden. |
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